Mittwoch, November 11, 2009

Die Promi Insel

Was man nicht alles auf so einer Caféfahrt übers Land lernt. Unsere Reiseleiterin ist Cindy, eine Einheimische, die aber lange Zeit in England gelebt hat. Sie begrüßt uns dann auch völlig unerwartet mit einem rheinländischen "Moin moin, dann wollen wir mal was". Unsere 2. Reiseleiterin ist Hannah-Lea. Ein Finnin, die mit einem Deutschen verheiratet ist und uns mit Schweizer Dialekt durch Antigua führt. Das Hinterland ist sehr arm, viele Leute wohnen in einfachen Häusern oder auch Wellblechhütten. Trotzdem erzählt man uns, dass Antigua eine der saubersten und sichersten Inseln in der Karibik ist.

Wie überall wird auch hier der chinesische Einfluss immer größer. Man hilft sich halt. D.h. China schickt billige Arbeitskräfte, die hier Straßenlaternen im ganzen Land aufstellen sollen (woher der Strom dafür kommen soll ist selbst Einheimischen unklar, auf Antigua sind Stromausfälle an der Tagesordnung, Berge gibt es kaum und Kraftwerke … gibt es wohl auch zu wenige. Da haben die Briten wohl was vergessen… vielleicht kommen ja aber noch irgendwann Gezeitenkraftwerke) und des weiteren auch noch Cricketstadien bauen sollen. Für die Weltmeisterschaft. Für ganze 6 Spiele. Die übelst langweilig sind und bisweilen auch mal 4 Tage dauern können. Jetzt weiß ich auch warum sich die Zuschauer für diese Spiele immer volllaufen lassen. Und warum das alles ? Nun ja, China will Antigua's Stimme für eine Annektierung von Taiwan. Und da kann man ja ein wenig nett sein. Wollten die Einheimischen dann auch sein und haben den Chinesen ein nettes Fest zur Einweihung des Stadions geschmissen. Blöd nur, dass man anstatt der chinesischen Nationalhymne die von Taiwan gespielt hat.

Aber die Einheimischen sind hier ja recht... gelassen. Da dauert alles auch schon mal etwas länger. Also ruhig bleiben und die Feste feiern wie sie kommen. Zur Not bzw. zum längeren Feiern verlegt man Feiertage einfach. Fällt z.B. ein wichtiger Feiertag aufs Wochenende, dann verschiebt man ihn auf Montag, feiert dann auch am Mo Abend so heftig, dass man am Dienstag unmöglich zur Arbeit kann. Clever eigentlich. Und wer es dann mit Drogen und Alkohol übertrieben hat kann sich (als Einheimischer) kostenlos in Eric Clapton's Reha Klinik behandeln lassen. Und die Klinik muss super sein, letztes Jahr war Britney Spears da und war schon nach 1 Tag wieder geheilt. Zumindest ist sie da wieder abgereist. Dann fahren wir an einem riesigen Anwesen (wirklich riesig) vorbei, besser gesagt an dem Zaun, denn die Villa ist noch weit weg und nur ein gigantisches Tor zeugt von einem wohl wichtigen Gebäude. Wer will denn da so privat sein ? Hmm... wir bekamen ein Tipp, jemand der extrem auf hübsche Frauen steht... alles klar, Silvio Berlusconi is in the house. Auf dem Weg nach Nelson's Dockyard kommen wir noch am Yachthafen vorbei, an dem regelmäßig die Antigua Sailing Week stattfindet. Hier liegen hübsche Bötchen, die wohl aber alle von Genosse Abramowitsch locker in den Schatten gestellt werden, wenn der mal wieder hier vor Anker geht. Alles in allem ist von Prunk und Luxus auf der Insel aber nichts zu finden. Verständlich, dass dann Hotels, die 800$ die Nacht nehmen, auch mal zumachen müssen. Die Finanzkrise macht auch vor der Karibik nicht halt.

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